Wie betreutes Wohnen für Hundesenioren funktioniert – Ein Interview

16. Februar 2017
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Das Hundezentrum Baumann an der Ziegelei 1 in 14822 Nichel bei Treuenbrietzen wird von Thomas und Ina Baumann seit 2010 betrieben. Neben der Hundeschule gibt es ein Hundehotel und eine gemeinnützige Tierschutzorganisation Dogworld-Stiftung – Lebenshilfe für verwaiste Hunde.

Thomas BaumannMit Thomas Baumann sprach Silvia Weber:

Sie haben zusammen mit Ihrer Partnerin im Jahr 2008 die gemeinnützige Tierschutzorganisation Dogworld-Stiftung – Lebenshilfe für verwaiste Hunde- gegründet. Welche Zwecke verfolgt die Stiftung?

Die Dogworld-Stiftung verfolgt als gemeinnützige Stiftung des bürgerlichen Rechts die Umsetzung des satzungsgemäßen Stiftungszwecks, der in mehrere Aufgabenbereiche unterteilt ist.

So unterliegt dem Stiftungszweck unter anderem die Betreibung eines oder mehrerer Hundealtersheime. Schwerpunkt hierbei ist das „betreute Wohnen“ für verwaiste Hundesenioren, das letztlich unter annähernd familiären Haltungsbedingungen zur erheblichen Verbesserung der Lebensqualität alter(nder) Hunde beiträgt.

Weiterhin werden neben der Förderung des Tierschutzes durch die Unterstützung von Tierheimen und tierheimähnlichen Einrichtungen regelmäßig Schulungen und Seminare für Tierheimmitarbeiter zu unterschiedlichsten Themenbereichen durchgeführt.
Zu diesen Themen zählen unter anderem

  • Abkehr von der isolierten Einzelunterbringung und damit Förderung der Gruppenhaltung in Tierheimen

  • Verbesserung der Lebensbedingungen durch optimierte Auslastung und Beschäftigung

  • Optimierung von Vermittlungsperspektiven durch die Durchführung von Verhaltensanalysen (Erstellen von Persönlichkeitsprofilen)

  • Erkennen und Beurteilen von stressbedingten Verhaltensweisen; Umgang mit Stress bei Tierheimhunden

  • Stabilisierende Maßnahmen beim Umgang mit ängstlichen und oder aggressiven Tierheimhunden

  • Allgemeine Rechtsgrundlagen und Arbeitssicherheit

Zielstellung dabei ist die Erweiterung von Kompetenzen bei Tierheimmitarbeitern sowie die allgemeine Verbesserung der Lebens- und Betreuungsbedingungen von Hunden in Tierheimen.

Sie lehren auch den Umgang mit aggressiven Tierheimhunden, da in zahlreichen Tierheimen die meisten Hunde noch einzeln gehalten werden. Sicher befürchten die Mitarbeiter aggressive Auseinandersetzungen mit Verletzungsfolgen für die Tiere. Wie können Sie die Mitarbeiter der Tierheime dabei unterstützen, die Haltungsbedingungen dort zu verbessern?

Der Umgang mit aggressiven Tierheimhunden ist eines der wichtigsten Schulungsmodule für Tierheimmitarbeiter. Die „Angst“ des Menschen vor destruktiver Aggression des Hundes ist allgegenwärtig und betrifft selbstverständlich auch die Mitarbeiter in Tierheimen.
Bei unseren Schulungen achten wir sehr darauf, einen „gesunden“ und damit vernünftigen Blick auf aggressive Verhaltensweisen eines Hundes zu entwickeln. Aggressionen dürfen nicht lappalisiert aber auch nicht dramatisiert werden.
So geht es zunächst darum, die Aggression als völlig normales Persönlichkeitsmerkmal eines Hundes im Umgang mit Sozialpartnern zu bewerten. Allerdings müssen hierbei in aller Deutlichkeit die Unterschiede zwischen konstruktiver (nützlich und nicht schädigend) Aggression und destruktiver (gefährlich und schädigend) Aggression herausgestellt werden.
Hier zeigt unsere Erfahrung, dass sich durch die Praxis-Schulungen der Dogworld-Stiftung die Beurteilung aggressiver Verhaltensweisen verbessert und damit viele pauschale Befürchtungen relativiert werden können. Da zudem auch der praktische Umgang des Tierheimmitarbeiters mit aggressiven Tierheimhunden geschult wird, wächst häufig auch das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, eventuell notwendiges Konfliktmanagement souverän und damit ohne übertriebene Ängste durchzuführen.
Mit derartigen Schulungsmaßnahmen wird auch der Grundstein gelegt, einen Umstieg von der kaum artgerechten Einzelhaltung von Tierheimhunden in die Gruppenhaltung zu unternehmen.

Mit dem 2010 entstandenen Hundealtersheim habe Sie ein „betreutes Wohnen“ für verwaiste und in Not geratene Hundesenioren ins Leben gerufen. Wo kommen diese Hunde her und welche Voraussetzungen müssen sie erfüllen, um bei Ihnen aufgenommen zu werden?

Im Hundealtersheim der Dogworld-Stiftung befinden sich derzeit 15 Hundesenioren im Alter zwischen 11 und 18 Jahren. Die Oldies haben recht unterschiedliche Vorgeschichten aber alle eines gemeinsam: Sie hatten oder haben niemanden mehr, der sich um sie kümmern konnte bzw. kann.
So handelt es sich beispielsweise um Scheidungswaisen, um Hunde, deren Besitzer schwer erkrankt oder verstorben waren und auch um Hunde, die zunächst in Tierheime verbracht wurden, dort aber mit den Lebensumständen nur sehr schwer oder überhaupt nicht zurecht gekommen waren.
Gerade in Tierheimen gelten Hunde, die bereits über 10 Jahre alt sind, auch als schwer vermittelbar.

Die Voraussetzungen zur Übernahme eines Oldies in das Hundealtersheim der Dogworld-Stiftung können mit einem Satz erläutert werden: Bei uns untergebrachte Vierbeiner müssen eine grundlegende Sozialverträglichkeit gegenüber Menschen und Hunden aufzeigen!
Gesundheitliche oder auch körperliche Handicaps sind selbstverständlich keine Ausschlusskriterien.
So kommen auch immer wieder taube, blinde und mit organischen Leiden und Fehlfunktionen versehene Hundesenioren zu uns. Ganz zu schweigen von Erkrankungen im Bewegungsapparat.
Eine intensive tierärztliche und auch regelmäßige physiotherapeutische Betreuung ist in diesem Zusammenhang in unserem Hundealtersheim gewährleistet.
Allerdings muss auch betont werden, dass wir den jeweiligen Abgabegrund genau prüfen und nur Vierbeiner aufnehmen, bei denen eine sogenannte Notlage tatsächlich auch besteht.

Weitere Infos zur Dogworld-Stiftung finden sich unter www.tierheim-stiftung.de

Im Hundezentrum Baumann befindet sich auf dem 2 Hektar großen Gelände eine Hundeschule mit Vorträgen und Seminaren.  Was unterscheidet Sie von anderen Hundeschulen?

Das Hundezentrum Baumann ist ein integrierter und auch elementarer Bereich der Dogworld-Stiftung. Als Mietpartei trägt das Hundezentrum in finanzieller Hinsicht erheblich dazu bei, das Stiftungsgeschäft der Dogworld-Stiftung umsetzen und damit realisieren zu können.
Die Hundeschule – als Teil des Hundezentrums – unterscheidet sich in mehreren Punkten vom Service-Angebot „normaler“ Hundeschulen.
Zunächst bieten wir Hundebesitzern aus dem regionalen Umfeld ganzwöchig unterschiedlichste Erziehungs-, Freizeit- und Beschäftigungsmodelle für ihre Vierbeiner. Neben mehreren Übungsplätzen stehen uns hierfür auch zwei beheizbare Hundehallen und ein Besprechungs- bzw. Aufenthaltsraum zur Verfügung.
Darüber hinaus sind Thomas und Ina Baumann seit Jahren als ausgewiesene Spezialisten für problematische Hunde und Experten für die Ausbildung von Spürhunden bekannt.
Daraus ergeben sich Anreisen von zwei- und vierbeinigen Kunden aus dem gesamten deutschsprachigen Raum sowie aus dem benachbarten europäischen Ausland.
Insbesondere Besitzer von aggressiven und oder ängstlichen Hunden scheuen aufgrund der im Hundezentrum Baumann erlangten, therapeutischen Erfolge, weder die weite Anfahrt noch die terminlich bedingten, langen Wartezeiten.
Weitergehende Infos hierzu: www.hundezentrum-baumann.de und www.dogworld.de

Wieviel Plätze haben Ihre Hundepension bzw. die Tagesstätte und wie können Potsdamer Hundehalter die Tiere günstig zu Ihnen bringen?

Das mitten im Wald gelegene HundeHotel Baumann bietet sechs individuell eingerichtete Hundezimmer mit jeweils eigenem Auslauf, die einen vorübergehenden Aufenthalt für Ihre(n) Vierbeiner so angenehm wie möglich machen.
Dazu stehen während des Aufenthaltes zwei Hektar Wiesen, Ausläufe Ausbildungsplätze und ein Abenteuerspielplatz zur Verfügung.
Regelmäßige Schmuse- bzw. Streicheleinheiten durch unsere engagierten Tierpflegerinnen sind für uns eine Selbstverständlichkeit.

Unsere Hundetagesstätte, für eine Tagesbetreuung von Vierbeinern gedacht, hat insgesamt 10 Plätze. Durch die geringe Anzahl an Hunden ermöglichen wir so jedem Vierbeiner eine individuell ausgerichtete Betreuung. Neben dem komplett eingezäunten Ausbildungsplätzen und Auslaufflächen, sowie dem eingezäunten Abenteuerspielplatz, kann auch ein Trainingsraum für kleinere Übungen mit den Hunden unter Betreuung der Tierpflegerinnen genutzt werden.
Natürlich legen wir auch viel Wert auf Ruhepausen, damit jeder Gasthund zwischen den Spiel- und Tobezeiten auch zur Ruhe kommen kann.
Unser Shuttle-Service ist – abhängig vom Bedarf – montags und donnerstags (ausgenommen Feiertage) früh und abends unterwegs.
Weitere Infos finden sich unter www.hundehotel-baumann.de

 Vielen Dank für das Interview.

 

 

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