Der Tierarzt rät: Zeckenschutz ist wichtig – aber nicht so einfach!

28. Juli 2017
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Purzel 2007Schon ab Temperaturen oberhalb von 5°C sind Zecken aktiv und befallen unter anderem Hunde und Katzen. Dabei sind sie für unsere Tiere nicht nur lästige Plagegeister, die juckende Hautirritationen hinterlassen, sondern auch Überträger verschiedener Infektionserreger.

Ausgerechnet die beim Menschen gefürchtete Borreliose kommt beim Hund extrem selten vor. Häufiger werden allerdings eher unbekanntere Erreger (z.B. Babesien, Anaplasmen) übertragen, die Blutzellen befallen und schwere Krankheiten auslösen können – bis hin zu plötzlicher Blutarmut, Fieber, Schwäche und chronischen Gelenkschmerzen.

Natürlich ist längst nicht jede Zecke befallen; insgesamt treten diese Krankheiten aber häufiger auf als früher. Die Übertragung geschieht durch den Speichel der Zecken, der während des Beißens und Blutsaugens über längere Zeit abgegeben wird. Am Besten verhindert man daher, dass sich die Zecken auf dem Tier niederlassen und zubeißen können. Falls es aber doch mal ein Blutsauger schafft, soll er wenigstens schnell abgetötet werden, um eine Übertragung von Krankheitserregern mit dem Zeckenspeichel zu verhindern.

Zur reinen Abwehr werden gerne Hausmittel wie Knoblauch und ätherische Öle versucht, deren Wirkung aber wenig verlässlich ist. Die abtötende Wirkung kann auch durch verschiedene Öle (z.B. Kokosöl) auf biologische-physikalische Weise erreicht werden; die Zeit bis zum Tod der Zecke ist allerdings zu lang, die Menge an benötigtem Wirkstoff groß, und die Wirkung hält nicht lange vor. Außerdem führen diese Öle zu einem Tod durch Ersticken, und die Zecken geben im Todekampf extrem viel Speichel ab. Und vor allem bei Katzen sind diese Hausmittel oft unverträglich.

Aus tierärztlicher Sicht ist die Verwendung von Arzneimitteln daher dringend zu empfehlen. Das ideale Präparat ist abschreckend und rasch abtötend, gut verträglich, hält lange vor und wird nicht in die Umwelt/auf den Besitzer übertragen. Das alles gibt es nicht in einem Präparat, daher ist es entscheidend, welche Punkte für Ihr Tier besonders wichtig sind.

Viele, aber nicht alle Spot-on Präparate (zum Auftropfen) vereinen die repellierende und abtötende Wirkung bis zu 4 Wochen, sind geruchslos und werden bei Kontakt nicht übertragen. Allerdings verkürzt sich die Wirkdauer erheblich, wenn der Patient shampooniert werden muss. Moderne, beim Tierarzt erhältliche Halsbänder stellen eine wirkungsvolle und kostenbewusste Alternative dar und wirken mit mind. 6 Monaten deutlich länger. Sie sind wasserfest, geruchslos und werden praktisch nicht auf den Menschen übertragen, wirken allerdings erst nach ca. 1 Woche und müssen sich nach Waschen mit Shampoo neu im Fettfilm der Haut verteilen.

Die neueste Entwicklung ist eine Tablette für den Hund bzw. eine Spot-on-Behandlung für die Katze, die über einen Zeitraum von 3 Monaten Zecken und Flöhen nach Biß abtötet. Das Tier darf shampooniert werden, die Anwendung ist für Mensch und Tier sicher und der Wirkungseintritt schnell. Allerdings gibt es keine abschreckende Wirkung. Für die Katze ist die Auswahl an Präparaten ohnehin eingeschränkt, da sie mit Ihrer dünnen und durchlässigen Haut auf Wirkstoffe und Lösungsmittel empfindlicher reagiert und z.B. einige Hundepräparate schwere Vergiftungen auslösen können. Generell können jedoch alle diese Präparate in seltenen Fällen auch Nebenwirkungen haben. Daher gilt: Lassen Sie sich für eine wirksame Zeckenprophylaxe von Ihrer Tierarztpraxis beraten!

Autor: Dr. Hannes Rabe, Tierärzte am Werderpark

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